Geschichtsunterricht. Historisches Lernen in der Schule
Aus der Vortragsreihe: Begriffe bewegen. Grazer Gespräche zur historisch-politischen Bildung.
Am 26. März 2026 durfte die Abteilung für Geschichtsdidaktik im Rahmen der Vortragsreihe „Begriffe bewegen“ Herrn Professor Dr. Peter Gautschi an der Universität Graz begrüßen. Bereits der Titel seines Vortrags „Geschichtsunterricht. Historisches Lernen in der Schule“ weckte hohe Erwartungen, die im Verlauf der Veranstaltung in überzeugender Weise eingelöst wurden.
Im Zentrum der Ausführungen stand ein eigens für den Geschichtsunterricht entwickeltes didaktisches Game „When we Disappear“, das exemplarisch die Möglichkeiten historischen Lernens veranschaulichte. Geschichtsunterricht ist ein vielschichtiges Zusammenspiel von Geschichte, Lernenden, Lehrpersonen und Vermittlungsprozessen, das sich in Interaktionen, Kommunikation und Beziehungen entfaltet. Damit dieses Zusammenspiel wirksam werden kann, braucht es klare Ziele, durchdachte Aufgaben und gezielte Impulse in einem lernförderlichen Umfeld. Historisches Lernen und historische Bildung wurden dabei als zentrale Ziele des Geschichtsunterrichts hervorgehoben, die sowohl die Sinnbildung in zeitlichen Zusammenhängen als auch die Entwicklung eines reflektierten Selbst- und Weltverhältnisses umfassen. In diesem Zusammenhang wurde hervorgehoben, dass Geschichtsunterricht stets ein klares „Was“, „Wie“ und „Wozu“ benötigt: Erst im Zusammenspiel dieser drei Dimensionen entsteht ein tragfähiger Geschichtsunterricht. Ohne diese Trias bleibt historisches Lernen entweder oberflächlich, beliebig oder richtungslos.
Darüber hinaus formulierte Gautschi vier zentrale Orientierungen für Lehrpersonen, die als professionelle Leitlinien verstanden werden können: Erstens betonte er die Bedeutung von Neugier als grundlegende Haltung, die sowohl das eigene Lernen als auch das der Schüler*innen antreibt. Zweitens hob er hervor, wie essenziell es ist, sich der eigenen Unterrichtsziele bewusst zu sein und diese reflektiert zu verfolgen. Drittens unterstrich er, dass Unterricht nie isoliert stattfindet, sondern stets in kollegialen und institutionellen Zusammenhängen eingebettet ist – Zusammenarbeit im Team ist somit unverzichtbar. Viertens plädierte er dafür, stets das „große Ganze“ im Blick zu behalten: Lehrpersonen sollten reflektieren, an welchen Punkten Lernende sich mit sich selbst sowie mit Geschichte auseinandersetzen und welche Bedeutung diese Prozesse für ihre Orientierung in der Welt haben.
Die Veranstaltung fand ihren Abschluss in einer engagierten und differenzierten Diskussion, die zahlreiche Fragen aufwarf und vielfältige Anknüpfungspunkte für weiterführende Überlegungen eröffnete. Abschließend richtete Peter Gautschi einen eindringlichen Appell an die angehenden Lehrpersonen, sich als „reflective practitioners“ zu verstehen, die ihr eigenes
Handeln kontinuierlich hinterfragen und weiterentwickeln. Mit diesem Impuls verband er seine besten Wünsche für einen gelingenden Einstieg in den Lehrberuf.
Geschichtsunterricht. Historisches Lernen in der Schule
WER: Prof. Dr. Peter Gautschi, PH Luzern
WANN: 18-19 Uhr
WO: HS 15.04
Ein Vortrag aus der Reihe “Begriffe bewegen. Grazer Gespräche zur historisch-politischen Bildung.”
Vom Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik
Peter Gautschi ist ausgebildeter Primar- und Sekundarstufenlehrer unterrichtete auf allen Volksschulstufen. Seit 1989 arbeitet er in der Lehrer:innenbildung, u.a. als Geschichtsdidaktiker, als Leiter Ausbildung der PH Aargau oder als Leiter des Instituts Sekundarstufe I der PH der Fachhochschule Nordwestschweiz. 2009 wurde er an der Universität Kassel im Fachbereich Gesellschafts-
wissenschaften mit der Dissertation „Guter Geschichtsunterricht“ zum Dr. phil. promoviert und 2011 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Breisgau zum Honorarprofessor ernannt. Ebenfalls 2011 wurde er als Professor für Geschichte und Geschichtsdidaktik an die Pädagogische Hochschule Zentralschweiz in Luzern berufen, um dort das Institut für Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen aufzubauen, das 2012 eröffnet wurde und das Gautschi bis zu seiner Pensionierung 2024 leitete.