Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professorin für Europäische Zeitgeschichte an der Universität Graz, sprach im „Griessner Stadl“ über den Umgang mit der NS-Vergangenheit, familiäre Erinnerungskulturen und die langfristigen Folgen von Schweigen und Verdrängen. Im anschließenden Publikumsgespräch wurde gemeinsam über Fragen von Erinnerung, Verantwortung und der Weitergabe von Erfahrungen über Generationen hinweg diskutiert.
Ausgangspunkt war die Aufführung des Theaterstücks „WEGENER vergangen vergessen vorüber“ von Thomas Perle. Basierend auf regionalen Entnazifizierungsprotokollen erzählt das Stück eine fiktionalisierte Familiengeschichte über mehrere Jahrzehnte und thematisiert, wie sich Erinnerungen, Haltungen und Ideologien bis in die Gegenwart fortschreiben. Das Stück bearbeitet dabei auf grandios-groteske Weise die mangelhaft aufgearbeitete NS-Zeit. Dabei ist das Stück neben „PROTESTANTEN vertreibung aus der heimath“ nun schon das zweite Stück und Auftragswerk des Griessner Stadls, dass sich mit der steirischer Regionalhistorie beschäftigt.
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„Der WEGENER, ein traditionsreiches Gasthaus am Wege, in einem Tale, einem zwischen Ort und Ort im grünen Herzen. Dort wird gegessen, gearbeitet, gesungen, gefeiert und versucht zu vergessen. Doch beginnt es zu wurln.
Im Mittelpunkt stehen die Wirtin Magda und ihre Töchter Gerda und Gertraud zwischen Verdrängen und Aufdecken, zwischen Vergeben und Vergessen.
Was bleibt auf den Wirtshaustischen, was bleibt in den Leibern der Familien, wie schreibt politisches und staatsbürgerliches Verhalten aus einer Zeit sich ein?
Ausgehend von dokumentarischem Material regionaler Entnazifizierungsprotokolle entfaltet sich eine fiktionalisierte Familiengeschichte über mehrere Jahrzehnte hinweg und erzählt wie sich Haltungen und Sprache fortschreiben und sich Ideologien im Alltag bis ins Heute einnisten.
Ein poetisches Volksstück mit Musik über das was bleibt, wenn man verdrängt.
Ein Stück Volkskultur.“ – Thomas Perle