Der Arbeitsbereich Kultur- und Geschlechtergeschichte war beim diesjährigen Zeitgeschichtetag in Linz in zwei Panels vertreten. Katharina Scharf und Samuel Hofstadler gaben Einblicke in ihre laufenden Forschungsprojekte und verdeutlichten so die thematische Bandbreite aktueller geschlechterhistorischer Ansätze.
Im Panel „Umwelt(un)sicherheit. Geschlechtergeschichtliche Perspektiven auf Umweltgefahren im 20. Jahrhundert“, moderiert von Birgit Kirchmayr, analysierten Katharina Scharf und Martina Gugglberger geschlechtsspezifische Deutungs- und Handlungsstrategien in Umwelt- und Klimakontexten.
In ihrem Vortrag „Strategien der Sicherheit. Umweltbewegungen im Spannungsfeld von Geschlecht, Emotion und Wissenschaft“ legte Katharina Scharf ihren Fokus zum einen auf vergeschlechtlichte diskursive Strategien von Akteur:innen der Umweltbewegung zur Legitimation ihres politischen Handelns in der Bewegung sowie zur politischen Mobilisierung. Zum anderen lag ein weiterer Schwerpunkt auf der Analyse vergeschlechtlichter und sexualisierter Diskursfiguren, die herangezogen wurden, um ebenjene Aktivist:innen wie auch die Umweltbewegung an sich zu delegitimieren. Schließlich hat Katharina Scharf auch besonders hervorgehoben, dass diese Bewegungen äußerst heterogen sind und sich politisch sehr unterschiedlich verorten können, von einem linken Ökofeminismus bis hin zu einer rechtsextremen ‚Blut und Boden‘-Bewegung – ein Punkt, der im Anschluss auch sehr angeregt diskutiert wurde.
Das Panel „liminale Räumlichkeiten“, ebenfalls moderiert von Birgit Kirchmayr und mit Vorträgen von Samuel Hofstadler und Maria Fritsche, setzte sich zum Ziel, Prozesse nationaler und geschlechtsspezifischer Identitätsbildung anhand von visuellen Quellen, in beiden Fällen waren das Fotoalben, zu analysieren. Das Panel ging aus dem Elisabeth-List-Fellowship-Programm „Raum – Geschlecht – Politik. Geschlechterräume inter-/disziplinär erkunden“ hervor.
Im Vortrag „Cross-Dressing in Lederhose. Zwischenräume in einer visuellen Erzählung der 1920er- und 1930er-Jahre“ diskutierte Samuel Hofstadler ein Fotoalbum und die darin angewandten narrativen Strategien der Subjektivierung. Nachdem das Album die Jugendzeit des Protagonisten Josef erzählt, aber erst später von dessen Ehefrau Hildegard angelegt wurde, lag ein besonderer Fokus auf Projektionen und Abgrenzungen im Akt des Erzählens des Lebens eines Anderen. Fotoalben erscheinen in diesem Licht nicht nur als stabilisierend und konstitutiv für ein ‚Familiengedächtnis‘ sondern auch als Medien der Selbstkonstruktion – auch wenn dieses Selbst nicht explizit sichtbar gemacht wird.
Nach drei intensiven und produktiven Tagen, ist festzuhalten, dass es eine zentrale Aufgabe zeithistorischer Forschung ist, Narrative der „Unsicherheit“ einerseits und Strategien, um das Gefühl von „Sicherheit“ zu erzeugen andererseits, zu historisieren und dekonstruieren. Geschlechterhistorische Ansätze haben sich hierfür als wertvolle Perspektiven erwiesen.