Kultur- und Geschlechtergeschichte
PROJEKTE
LAUFENDE PROJEKTE
WAR WEALTHFARE AND GENDER POLITICS IN THE FIRST WORLD WAR
Local and Global Dimension
Das Vorhaben befasst sich mit Geschlechterpolitiken in lokalen und globalen Dimensionen im Ersten Weltkrieg. Einen besonderen Schwerpunkt bilden dabei die Bereiche Wohlfahrt und Kriegsfürsorge und die damit verbundenen geschlechterspezifischen Rhetoriken und Praktiken. Ziel ist die Analyse von Diskursen zu Geschlecht, Krieg und Gewalt, deren Muster und politische Funktionen. Im Fokus stehen Prozesse der De- und Restabilisierung von Geschlecht im Krieg und deren Konnex zu Diskursivierungen von (Kriegs-)Gewalt.
Inhaltlich wird ein Bogen gespannt von der Untersuchung explizit politisch positionierter Akteurinnen (Friedensbewegung, Frauenwahlrechtsbewegung etc.) bis hin zur Analyse explizit antidemokratischer Kriegsfürsorgepolitiken unter der Leitung und Mitwirkung von Protagonistinnen aus dem völkisch-deutschnationalen oder katholisch-konservativen Milieu. Insbesondere spezifische Aushandlungen vergeschlechtlichter Konzepte von citizenship stehen dabei im Zentrum.
Räumlich gesehen werden sowohl regionale Zusammenhänge (Habsburgermonarchie, Deutsches Reich) diskutiert, als auch globale Aspekte der Thematik berücksichtigt. Der Erste Weltkrieg als erster „globaler“ und erster „totaler Krieg“ bietet sich an, um zu erforschen, auf welche Weise sich Kriegs- und Gewalterfahrungen grundsätzlich auf die kulturelle Verfasstheit von Gesellschaften auswirken und welche Rolle Geschlecht dabei spielt.
Im Rahmen des Projekts finden laufend Meetings und Workshops statt. Außerdem ist aus dem ELF eine internationale Research-Group "Violence – Vulnerability – Care. Gender Politics during the “Greater War” (1912–1923)" hervorgegangen.
- Elisabeth-List-Fellowship-Programm für Geschlechterforschung
- Senior Researcher (Projektleitung): Heidrun Zettelbauer (Graz)
- Incoming Senior Researcher: Ingrid Sharp (Leeds)
- Projektassistentin: Viktoria Wind (Graz)
- Incoming Junior Fellow: Chantal Sullivan-Thomsett (Leeds)
- Fördergeber: Universität Graz – Gleichstellung
- Zeitraum: 2021–Anfang 2024
Projektmitarbeiter:innen
- Senior Researcher (Projektleitung): Prof.in Dr.in Heidrun Zettelbauer (Universität Graz)
Heidrun Zettelbauer ist Assoziierte Professorin für Neuere/Neueste Geschichte am Institut für Geschichte der Universität Graz und leitet den 2020 neu eingerichteten Arbeitsbereich für Kultur- und Geschlechtergeschichte. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen kulturtheoretische Geschlechtergeschichte, geschlechtersensible Nationalismusforschung, Deutschnationalismus und völkische Bewegungen, Geschlechtergeschichte des Ersten Weltkriegs, Auto/Biographie, Körpergeschichte und theoretische Museologie.
- Incoming Senior Researcher: Prof.in Dr.in Ingrid Sharp (University of Leeds)
Ingrid Sharp ist Professorin für deutsche Kultur- und Geschlechtergeschichte an der Universität Leeds in Großbritannien. Als Incoming Senior Researcher ist sie Teil des Elisabeth-List-Fellowhip-Programms. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen neben geschlechterspezifischen Fragenstellungen im Kontext von Pazifismus und Kriegswiderstand auf der Geschichte des weiblichen Aktivismus im Umfeld des Ersten Weltkriegs.
- Junior Fellow: Mag.a phil. Viktoria Wind, BA
Viktoria Wind ist Dissertantin am Institut für Geschichte der Universität Graz. Ihre Forschungsschwerpunkte bewegen sich im Feld einer neuen, als Geschlechtergeschichte betriebenen Militärgeschichte. Die Konstruktionen von Geschlechterentwürfen in militärischen Kontexten im Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit stehen besonders im Fokus.
- Incoming Junior Fellow: Chantal Sullivan-Thomsett; MA BA
Nach Abschlüssen an den Universitäten von Leeds und Sheffield ist Chantal Sullivan-Thomsett Doktorandin an der School of Languages, Cultures and Societies der Universität Leeds. Im Elisabeth-List-Fellowship-Programm ist sie Incoming Junior Fellow. Ihre Forschungsschwerpunkte bewegen sich im Feld der deutschen Politik sowie der politischen Kultur und des Protests.
Arbeiter-Soldaten, Revolutionäre in Uniform oder ‚wehrhafte‘ Proletarier? Aushandlungen militärischer Männlichkeiten in sozialistischen Kontexten in Österreich-Ungarn und der Ersten Republik (1914–1934)
Im Anschluss an de/konstruktivistische Ansätze rückt das Dissertationsprojekt die Prozesshaftigkeit, Instabilität und Performanz von Geschlechterkonstruktionen in den Mittelpunkt. Das Projekt fokussiert auf sozialistische militärische Männlichkeitsentwürfe während des Ersten Weltkriegs und der Ersten Republik Österreich bis 1934. Es untersucht dabei die diskursiv ausgehandelten Be/Deutungsdimensionen, Figuren, Imaginationen und Abgrenzungsfolien von militärischen und proletarisch-‚wehrhaften‘ Männlichkeitsentwürfen in der k.(u.)k. Armee, in der Volkswehr, dem Bundesheer sowie dem Republikanischen Schutzbund. Daneben werden Wechselwirkungen mit zeitgleich existierenden soldatischen, revolutionären, republikanischen und proletarischen Identitäten untersucht sowie Subjektivierungspraxen sozialdemokratischer und kommunistischer Akteure in den Blick gerückt.
- Dissertationsprojekt/Drittmittelprojekt: ÖAW DOC Stipendium
- Projektleiterin: Viktoria Wind (Graz)
- Betreuung: Heidrun Zettelbauer
- Projektlaufzeit: Oktober 2023 – Oktober 2025
Aktivist*innen. Natur- und Umweltschutzbewegung (19./20. Jh.) aus frauen- und geschlechterhistorischer Perspektive
Das durch ein Post-Doc-Track Stipendium der ÖAW und ein Rachel Carson – Simone Veil Fellowship (RCC & PHE München) geförderte Projekt ist eine biografisch orientierte umweltgeschichtliche Studie aus frauen- und geschlechtergeschichtlicher Perspektive. Zentrales Ziel ist die Verortung von Frauen und ihren Biografien als Akteurinnen in der Geschichte der Umweltbewegungen in Deutschland und Österreich (ca. 1900–1992). Hierbei handelt es sich um ein gravierendes Forschungsdesiderat der (besonders deutschsprachigen) Umweltgeschichte, die Frauen beinahe zur Gänze ausklammert. Dabei es geht nicht nur darum, Frauen zu bereits Bestehendem hinzufügen, sondern Fragen der Umweltgeschichte aus der Perspektive einer modernen Frauen- und Geschlechtergeschichte neu zu denken.
Die kollektive biografische Darstellung von Umweltaktivistinnen mit unterschiedlichen sozialen, ökonomischen und kulturellen Hintergründen wird anhand des Konzepts der "Handlungsspielräume / Handlungsräume" und der Intersektionalität rekonstruiert. Diskurse und Fragen, die für Umweltbewegungen zentral sind, werden durch die analytische Linse von biografisch orientierten Fallstudien diskutiert.
- Habilitationsprojekt
- Lauzeit: –2027
- Mitarbeiterin: Katharina Scharf (Projektleitung)
Briefe aus dem Reichsarbeitsdienst: Zwischen Zurichtung und Zuhause
Postdoc-Track-Stipendiatin
Das Forschungsvorhaben untersucht Briefserien, die im Kontext des nationalsozialistischen Reichsarbeitsdienstes (RAD) entstanden. Primäres Forschungsziel ist zu ergründen, wie ‚einfache‘ Arbeitsdienstleistende mit der Mobilisierung und Indoktrinierung im RAD umgingen und welche Effekte diese ‚Erziehung‘ zeitigte. Die Untersuchung komplementiert die gegenwärtige Erforschung der nationalsozialistischen Herrschaft mit einem Forschungsbeitrag zum Schreiben in einer bislang nur wenig erforschten zentralen Erziehungsinstitution des Regimes. Vor allem gewährt das Projekt wichtige Einblicke in die bislang vollkommen unterbelichtete Perspektive junger Erwachsener auf den RAD. Es widmet sich ihren Beschreibungen des Lebens und ihrer eigenen Stellung innerhalb der nationalsozialistischen Gesellschaft. Ihre Aufnahme von regimeseitig zugewiesenen Rollen, ihre Aushandlungen und ihr Ringen mit dem gesellschaftlichen Druck stehen besonders im Fokus. Mithilfe einer softwaregestützten qualitativen Inhaltsanalyse und einem innovativen Rückgriff auf kulturwissenschaftliche Arbeiten werden so umfangreiche neue Erkenntnisse zu individuellen Deutungen des Nationalsozialismus und zur Erziehung im RAD gewonnen.
- Promotionsstipendium der Gerda Henkel Stiftung
- Laufzeit: bis Anfang 2024
- Mitarbeiter: Gero Roedern (Projektleitung)
Culinary Concoctions of Austrian Identity in Habsburg Europe During the Long Nineteenth Century
Amy Millet is a doctoral student in history. She received a research award for Austria, where she will study the intersection of gender history, national identity and food studies in 19th century Austria. Her work will examine how women used daily culinary practices, pre-political obligations that cut across partisan lines, to articulate their views of womanhood. Her research will make a unique contribution to Austrian food history by exploring the dynamic 19th century forces, including industrialization and urbanization, that altered consumption patterns and shaped notions of gender, class, nationality and ethnicity.
- Fullbright US-Student Award, University of Kansas
- Laufzeit: 2021–Ende 2023
- Mitarbeiterinnen: Amy Millet (Projektleiterin), Heidrun Zettelbauer (Betreuung)lm.
Raum – Geschlecht – Politik. Geschlechterräume inter-/disziplinär erkunden
Das Projekt „Raum – Geschlecht – Politik. Geschlechterräume inter-/disziplinär erkunden“ beschäftigt sich mit der Entwicklung eines geschlechter-, queer- und körpersensibel konzipierten Theorierahmens zur Verflechtung von Raum und Geschlecht. Ausgehend von Zugängen einer geschlechterkritischen Kulturanalyse, Architekturtheorie und Geschichtsforschung rücken vorrangig geschlechterspezifische Codierungen und Diskursivierungen soziokultureller (gebauter) Räume in den Blick und davon abgeleitet praktisch-politische Begrenzungen und Ermächtigungen im Umgang mit physischen und soziokulturellen Räumen.
Der entwickelte Theorierahmen dient als Ausgangspunkt für die Arbeit an einem FWF-Projektantrag mit dem Ziel der Drittmittelfinanzierung von interdisziplinär ausgerichteten Doktoratsstellen. Angestrebt wird zugleich die Verbesserung der Forschungsorientierung bei der Doktoratsausbildung im Bereich „Interdisziplinäre Geschlechterstudien“ sowie die Festigung von Ausbildungsstrukturen für in diesem Bereich angesiedelte Doktorand*innen an der Universität Graz. Zudem wird der Aufbau von Kooperationen mit weiteren österreichischen Universitäten sowie die Zusammenarbeit mit Geschlechterforscher:innen aus der internationalen scientific community zur Thematik Raum und Geschlecht angestrebt.
- Elisabeth-List-Fellowship-Programm für Geschlechterforschung
- Laufzeit: Oktober 2024–Dezember 2025
- Mitarbeiter:innen: Heidrun Zettelbauer (Projektleitung), Maria Fritsche (Incoming Senior Fellow), Markus Wurzer (Local Senior Fellow), Antje Senarclens de Grancy (Local Senior Fellow), Katharina Scharf (Local Senior Fellow), Samuel Hofstadler (Local Junior Fellow)
AKTUELLE DRITTMITTELPROJEKTE
Rethinking Concepts, Terms and Topics. The 4th International Conference of the Military Welfare History Network 2025
Laufzeit:
August 2024-Dezember 2025
Mitarbeiter:innen:
Heidrun Zettelbauer (Graz), Sabine Haring-Mosbacher (Graz), Sabine Jesner (Wien), Viktoria Wind (Graz), Paul Huddie (Dublin)
Fördergeber:
Land Steiermark; Stadt Graz
Approaches to military history and the history of war welfare have changed fundamentally in recent decades. They shifted from a focus on event history, the depiction of predominantly operational levels, the monopolisation of military meanings or discourses of legitimation to innovative approaches to a cultural history of armed conflicts, which are particularly influenced by Social History, the History of Mentalities, Body or Gender history. This also applies in particular to the analysis of military welfare and care practices from a historical and social science perspective, which has undergone a fundamental reorientation in recent years, not least as a result of current care ethics debates.
The fourth international conference of the Military Welfare History Network, which will take place for the first time at the University of Graz (Austria) July 9-11, 2025, aims to explicitly focus on the theoretical, conceptual and research-practical dynamics associated with this reorientation. The conference aims to reflect about these changes in studies of care and welfare practices in military contexts and to discuss older and new concepts and their implementation in research. Referring to a problem-orientated approach, an explicitly interdisciplinary and trans-epochal orientation will be taken. The aim of the MWHN conference is therefore to critically examine the effects of theoretical and conceptual perspectives as well as the productive applicability of (new) methods and concepts on different dimensions.
Arbeiter-Soldaten, Revolutionäre in Uniform oder ‚wehrhafte‘ Proletarier? Aushandlungen militärischer Männlichkeiten in sozialistischen Kontexten in Österreich-Ungarn und der Ersten Republik (1914–1934)
Laufzeit:
Oktober 2023 - Oktober 2025
Mitarbeiter:innen:
Viktoria Wind, Heidrun Zettelbauer
Fördergeber:
ÖAW
Kurzbeschreibung:
Im Anschluss an de/konstruktivistische Ansätze rückt das Dissertationsprojekt die Prozesshaftigkeit, Instabilität und Performanz von Geschlechterkonstruktionen in den Mittelpunkt. Das Projekt fokussiert auf sozialistische militärische Männlichkeitsentwürfe während des Ersten Weltkriegs und der Ersten Republik Österreich bis 1934. Es untersucht dabei die diskursiv ausgehandelten Be/Deutungsdimensionen, Figuren, Imaginationen und Abgrenzungsfolien von militärischen und proletarisch-‚wehrhaften‘ Männlichkeitsentwürfen in der k.(u.)k. Armee, in der Volkswehr, dem Bundesheer sowie dem Republikanischen Schutzbund. Daneben werden Wechselwirkungen mit zeitgleich existierenden soldatischen, revolutionären, republikanischen und proletarischen Identitäten untersucht sowie Subjektivierungspraxen sozialdemokratischer und kommunistischer Akteure in den Blick gerückt.
ABGESCHLOSSENE PROJEKTE
Architektur. Vergessen. Jüdische Architekten in Graz
Architektur als Spiegel der öffentlichen Aushandlung und Durchsetzung kultureller Leitbilder, kollektiver Identitäten und gesellschaftlicher Selbstdarstellungsstrategien zu betrachten, ist ein Kennzeichnen kulturwissenschaftlicher Zugänge. Bislang wurden Architekturgeschichte und Erinnerungskultur kaum miteinander verschränkt, dabei scheint dem Medium Architektur jedoch gerade das Vergessen wie kaum einer anderen Kunstform gewissermaßen implizit eingeschrieben zu sein: durch den quasi alltäglichen Veränderungsprozess von Überbauung, Überformung, Verfallen und Zerstörung. In der Publikation wird erstmals explizit dem Vergessen als kultureller Praxis im Feld der Architektur Augenmerk gewidmet. Am Beispiel von vier Architekten bzw. Baumeistern und fünf ihrer Grazer Bauten wird im Projekt paradigmatisch den vielschichtigen Dimensionen von Architektur und Vergessen nachgegangen. Alexander und Bruno Zerkowitz, Eugen Székely und Franz Schacherl haben als Architekten bzw. Baumeister in Graz in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auf hohem Niveau gearbeitet und zentrale Beiträge zum Grazer Kulturleben geleistet. Einige von ihnen verließen bereits vor 1938 aufgrund antisemitischer Anfeindungen das Land, starben im Exil oder wurden in nationalsozialistischen Konzentrationslagern ermordet. In der Nachkriegszeit wurde ihr Werk bzw. ihre Autorschaft verdrängt, schließlich aus dem Blick verloren und Großteils vergessen.
- Projektleitung: Antje Senarclens de Grancy (Graz), Heidrun Zettelbauer (Graz)
- Fördergeber: Zukunftfonds der Republik Österreich, Stadt Graz (Wissenschaft), Land Steiermark (Kultur)
Zeitraum: 2009–2011
PUBLIKATION: Antje Senarclens de Grancy / Heidrun Zettelbauer (Hgg.), Architektur. Vergessen. Jüdische Architekten in Graz. Wien / Köln / Weimar: Böhlau 2011.
„Bettlerflut?“ Bilder und Kontexte temporärer Romani Migrationen in die Steiermark
In gegenwärtigen österreichischen Mediendiskussionen kursieren vielfach Bedrohungsbilder zum Thema Migration, welche eine vermeintliche »Flut« an Zuwanderinnen und Zuwanderern »aus dem Osten« konstruieren. Jene Migrant:innen, die seit dem Fall des »Eisernen Vorhangs« temporär in die Steiermark kommen, um unter anderem durch Betteln Geld zu verdienen, werden ausschließlich als »Roma« wahrgenommen und sind als solche von ausgrenzenden Rhetoriken betroffen sowie Adressat:innen von daran anknüpfenden politischen Maßnahmen und Hilfsprojekten. In der vorliegenden an der Universität Graz durchgeführten Studie werden erstmals jene Bilder, die über Romani-Männer (Roma) und Romani-Frauen (Romnija) in den steirischen Medien verbreitet werden, systematisch analysiert. Weit verbreitete Mythen und rassistische Vorurteile werden in Beziehung zu konkreten Lebensentwürfen der Bettler:innen gesetzt. Wissenschaftliches Neuland betritt die Studie außerdem insofern, als die temporäre Bettelmigration als räumliche Bewegung innerhalb sozialer, kultureller und ökonomischer Netzwerke begriffen wird. Erstmals werden damit konsequent die Folgen der Migration auch in Hinblick auf die Herkunftsregionen der Migrant:innen in den Blick genommen.
Projektleitung: Heidrun Zettelbauer (Graz)
Mitarbeiter*innen: Stefan Benedik, Edit Szénássy, Barbara Tiefenbacher
Fördergeber: Zukunftsfonds Steiermark
Zeitraum: 2010–2011
PUBLIKATION: Benedik, Stefan / Tiefenbacher, Barbara / Zettelbauer, Heidrun: Die imaginierte »Bettlerflut«. Temporäre Migrationen von Roma/Romnija – Konstrukte und Positionen (= drava diskurs). Klagenfurt / Wien: Drava 2013.
Engagement und Professionalisierung. Käthe Schirmacher (1865-1930) - Selbstentwürfe zwischen radikaler Frauenbewegung und völkischem Nationalismus (Projektkooperation)
Das vom Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung (FWF) geförderte Forschungsprojekt zur Person Käthe Schirmachers wurde unter der Projektleitung von Johanna Gehmacher am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien durchgeführt und verortet sich im Rahmen des Forschungsschwerpunktes Frauen- und Geschlechtergeschichte an der Universität Wien. Ziel des Projektes war es, Diskurse und Konfliktfelder zu analysieren, die um 1900 unter dem topos der "Frauenfrage" öffentlich wurden und mit Forderungen nach gleicher Partizipation in allen gesellschaftlichen Feldern ebenso verbunden waren wie mit der Suche nach Modellen weiblicher Individualität. Die in diesem Zusammenhang entwickelten Forschungsfragen sollen exemplarisch anhand von Biographie und Werk der 1865 in Danzig geborenen Frauenrechtsaktivistin und späteren völkischen Nationalistin Käthe Schirmacher untersucht werden. Aus dem Projekt ging eine umfassende Biographie über Käthe Schirmacher hervor (2018 bei Böhlau erschienen und ist open access verfügbar.
- Projektleitung: Johanna Gehmacher (Wien)
- Projektmitarbeiterinnen: Elisa Heinrich (Wien), Corinna Oesch (Wien)
- Kooperationspartnerin: Heidrun Zettelbauer (Graz)
- Fördergeber: FWF-Der Wissenschaftsfonds
- 2013–2016 (verlängert bis 2018)
PUBLIKATION: Gehmacher, Johanna / Heinrich, Elisa / Oesch, Corinna: Käthe Schirmacher: Agitation und autobiografische Praxis zwischen radikaler Frauenbewegung und völkischer Politik. Wien / Köln / Weimar: Böhlau 2018. (open source)
PUBLIC-GENDER-HISTORY-PROJEKTE
Geschlechtergeschichtliche Perspektiven auf den "Grossen Krieg" (1914-1918)
Ausstellung, April bis Juli 2018, Pavelhaus/Pavlova Hiša, Laafeld.
Die Geschichte des Ersten Weltkriegs zeigt, dass der Krieg kaum adäquat erfasst werden kann, ohne seine geschlechtergeschichtlichen Dimensionen zu berücksichtigen. Es gilt, auf Militärgeschichte reduzierte Darstellungen kritisch gegen den Strich zu bürsten und damit grundlegend neue historische Erkenntnisse zu ermöglichen. Wird der Blick auf Geschlechterbeziehungen im Krieg gelenkt, so wird – wie durch ein „Brennglas“ – die ganze Komplexität der Kriegsgesellschaft deutlich und all seine für das gesamte 20. Jahrhundert tiefgreifenden Auswirkungen. Basierend auf Materialien der Ausstellungen Frauen im Krieg (2011) der Dolomitenfreunde sowie Women at War (2014) des Heeresgeschichtlichen Museums zeigt die Ausstellung alternative Zugänge und oft vernachlässigte Inhalte in Bezug auf das Phänomen Erster Weltkrieg. Kuratiert von Heidrun Zettelbauer (Universität Graz).
Die Ausstellung wurde von 7. bis 31. März 2019 in der Galerie Zwischenbilder im Sozialamt der Stadt Graz gezeigt.
Bitte umhängen. Eine kritische Intervention zu Hans Gross in der Aula der Karl-Franzens-Universität im Rahmen des Österreichischen Zeitgeschichtetages 2016, 9–11. Juni 2016.
Die von Stefan Benedik und Heidrun Zettelbauer für die Dauer des Österreichischen Zeitgeschichtetags 2016 konzipierte Intervention „Bitte umhängen!“ bildet den Ausgangspunkt für eine kritische geschlechtertheoretisch-künstlerische Auseinandersetzung mit Hans Gross als (Diskurs-)Figur. Die Intervention bettet die in der Aula aufgestellte Büste von Hans Gross in den diskursiven Zusammenhang seiner kriminologischen Publikationen ein und verweist zugleich darauf, dass die Gross-Rezeption an der Universität Graz lange Zeit deutschnationale Denktraditionen prolongierte. Die Vorbeigehenden wurden zur kritischen Reflexion über universitäre Gedächtnislandschaften aufgefordert.
Thor McIntyre-Burnie „The Speakers” (2014), Juli/August 2014, LaStrada Graz.
In der Installation "The Speakers" machen Historker:innen der Uni Graz Stimmen zum Alltag im Ersten Weltkrieg hörbar. Der britische Künstler Thor McIntyre hat in einer Installation zum Arabischen Frühling die unzähligen Twitter-Stimmen zu dem Thema verarbeitet. Für das 2014 in Graz gelaufene Straßenkunstfestival La Strada erweitert er diese um eine historische Komponente: Gemeinsam mit einem Team des Instituts für Geschichte der Universität Graz lässt er bislang ungehörte Wortmeldungen zum Ersten Weltkrieg lebendig werden. Aus Briefen, Tagebüchern, Leserbriefen und Vereinsnachrichten dieser Zeit haben die Historiker:innen herausgefiltert, was Kinder, Frauen und Männer zu sagen hatten, denen bisher kaum Beachtung geschenkt wurde.
Das Projekt wurde wissenschaftlich von Stefan Benedik koordiniert. Der Stream „Frauenstimmen aus dem Ersten Weltkrieg“ wurde von Heidrun Zettelbauer kuratiert.
VERNETZUNG UND WISSENSCHAFTLICHE KOOPERATIONEN
International Research Group
Violence – Vulnerability – Care. Gender Politics during the “Greater War” (1912–1923)
Die International Research Group Gender Politics during the „Greater War“ (1912 1923) versammelt renommierte Geschlechterforscher:innen aus Europa und den USA, die sich seit vielen Jahren intensiv mit Geschlecht während des Ersten Weltkriegs – verstanden als „Greater War“ (1912–1923) – aus geschlechter- und queerhistorischer sowie interdisziplinärer Perspektive befassen. Ein besonderer Fokus gilt dabei dem Konnex von Gewalt, Vulnerabilität und Care im weitesten Sinn. Untersucht werden insbesondere lokale und globale Dimensionen von humanitären und kriegsbedingten Fürsorgepolitiken während und nach dem Ersten Weltkrieg. Zu den erforschten Schwerpunkten zählen Fragen nach Geschlechterdiskursen, die Geschlechterkonventionen verfestigen, (wieder)herstellen und herausfordern sowie nach vergeschlechtlichten Diskursen im Kontext von Gewalt, Schmerz, Trauma und Vulnerabilität und wie diese im Feld der humanitären und kriegsfürsorglichen Praxis während und nach dem Krieg wirksam waren. In den Blick genommen werden unter anderem (nicht-)kombattante Kriegsteilnehmer:innen und Veteran:innen, feministische und sozialistische Antikriegsaktivist:innen, transnationale und internationale Organisationen oder konservativ-nationalistische Gruppierungen.
Im Rahmen der Forschungsgruppe
- identifizieren wir neue Fragestellungen und Perspektivierungen innerhalb des Feldes einer Geschlechtergeschichte des Ersten Weltkriegs,
- reflektieren über Kontinuitäten und Verschiebungen innerhalb der theoretisch methodischen Zugänge zum Forschungsfeld,
- diskutieren wir aktuelle Fragestellungen und setzen diese zueinander in Beziehung,
- präsentieren wir Ergebnisse aus der Diskussion im Rahmen gemeinsamer Veranstaltungen, Workshops und Tagungen innerhalb der scientific community sowie einer interessierten Öffentlichkeit,
- initialisieren wir regelmäßige Präsenz- und Online-Treffen zur Implementierung aktueller Fragestellungen in unseren Forschungsalltag und
- planen wir gemeinsame Publikationen und Forschungsanträge.
Mitglieder: Judit Acsády (Centre for Social Sciences, Budapest) Hilary Buxton (Kenyon University, Ohio/USA) Louise Earnshaw (University of Leeds) Alison S. Fell (University of Liverpool) Holly Furneaux (Cardiff University) Susan R. Grayzel (Utah State University, Utah/USA) Christa Hämmerle (Universität Wien) Jessica Meyer (University of Leeds) Ruth Nattermann (Ludwig-Maximilians-Universität München) Ingrid Sharp (University of Leeds) Viktoria Wind (Universität Graz) Heidrun Zettelbauer (Universität Graz) Koordination: Heidrun Zettelbauer unter Mitarbeit von Viktoria Wind (Universität Graz) und Ingrid Sharp (University of Leeds)
Interdisziplinärer Lesekreis Gender Studies
Der interdisziplinäre Lesekreis Gender Studies wurde Anfang 2021 ins Leben gerufen. Er richtet sich primär an MA- und Doktoratsstudierende, steht aber grundsätzlich allen Forscher*innen der Universität Graz offen, die in ihrer Arbeit geschlechtsspezifische Aspekte behandeln. Der Lesekreis dient der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von theoretischen und methodischen Grundlagentexten aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung und möchte so auch Austausch und Vernetzung über disziplinäre Grenzen hinweg fördern. Die Treffen finden einmal pro Monat statt und werden über ein gemeinsam einsehbares Online-Dokument (Google Docs) organisiert. Bei Interesse und etwaigen Rückfragen bitte eine E-Mail an Julia Kölbl (Institut für Translationswissenschaft): julia.koelbl95(at)gmail.com